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Weich oder hart – die Frage des richtigen Gepäcksystems

Vorweg: Überlege dir erst mal sehr gut, was und wie du fahren möchtest. Bleibst du vorwiegend auf der Straße und nimmst nur hie & da einen Schotterweg mit, dann ist ein Koffer vielleicht praktischer (Praktisch! Klingt ein wenig wie nett und das ist ja bekanntlich die kleine Schwester von Scheisse). Hast du vor auch die härteren Passagen zu fahren, dann würde ich auf ein weiches System zurückgreifen.

Vergleich: Koffer vs. Reckless 40 (Trägerloses System von Mosko Moto welches ich selbst seit Jahren in Verwendung habe).

Wenn du dich mal hinlegst

Das größte Problem beim Koffer entsteht im Falle eines unfreiwilligen Abgangs, vor allem im Gelände! Was ich häufig beobachte ist folgendes: Es gibt 2 Arten von Offroadpassagen die ein wenig „tricky“ zu fahren sind:

1. Kletterpassagen (z.B. Durchquerung eines Flussbettes) die man sehr langsam fahren muss, wegen der großen Steine. Wenn du das nicht gewohnt bist, hast du ohnehin schon mit deiner Kupplung zu kämpfen, da meist 1. Gang und Standgas zu schnell sind. Andererseits bist du dann so langsam, dass du dich zusätzlich zur richtigen Linienwahl auch noch aufs Balancieren auf deinem Bike konzentrieren musst.
Der häufigste Fehler in so einer Situation ist dann das „rudern“ mit den Beinen. Solltest du das nicht kennen, dann probier es einfach mal aus und bewege dein Koffer-Bike vorwärts ohne eingelegten Gang. Du wirst sehen, dass du mit dem Wadenbein immer am Koffer ankommst.
Passiert dir das dann beim Rudern im Gelände und das Motorrad geht mit dir durch (z.B. weil es von einem Stein rutscht) dann kann es das gewesen sein mit dem Rodeo. Dein Fuß verkeilt sich und der Koffer bricht dir das Wadenbein!
Das zweite Problem ist, wenn du umkippst, automatisch dein Bein von den Rasten nimmst und es dann unter den Koffer kommt. Dann fällt das Bike mit dem Koffer auf deinen Fuß und du hörst es krachen. Bestenfalls nur den gebrochenen Blinker oder Spiegel.

2. Bei Sandpassagen oder Dünen ist genau das Gegenteil vom Klettern wichtig. Gashahn auf, Lenker entlasten durch Gewicht des Körpers so weit nach hinten wie möglich. Das sagt sich leichter als es getan ist! Eine kurze Unsicherheit und ein Zucker am Gas und schon hast du dich eingegraben.
Was dann passiert, kennen wir vom Klettern. Du nimmst die Beine von den Rasten…
Bei den Softbags passiert zwar dasselbe, allerdings gibt es da keine harte Kanten die dich verletzen!
 
Weitere Gedanken zu beiden Gepäcksystemen:
Gewicht: Leichte Alukoffer, wie die von Tesch oder Touratech, wiegen 5kg. Allerdings kommt da dann noch das Trägersystem dazu.
Das Mosko Moto Reckless 40 (welches ich verwende) kommt mit allen Innentaschen etc. auch auf 5kg aber ein Träger ist nicht erfordelich.
Vergleich in der Rückansicht: Links - Soft Gepäckt mit Träder; Rechts - Soft Gepäck ohne Träger

Ann-Kathrin Bendixen =©

Bildbeschreibung: Rückansicht zweier unterschiedlicher Systeme. Links - Soft Gepäck mit Trägersystem; Rechts Soft Gepäck ohne Trägersystem


Größe
: Die Koffer haben ein Fassungsvolumen von ab 32 Liter pro Stück. Das Reckless 40 kommt auf gesamt 40 Liter (inklusive der oberen Gepäcktasche!). Es gibt aber auch eines mit 80 Liter Gesamtvolumen.
Was für mich wichtig war: Das Reckless System ist aufgebaut schmäler als der Lenker. Zugegeben – das ist auf unserer Reise nicht so wichtig.
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Ann-Kathrin Bendixen =©

Bildbeschreibung: Anhand von Lotte ist sehr gut zu sehen wie eng das Reckless 40 anliegt. Der Lenker ragt über das Gepäck hinaus.


Sturz: Wenn es dich auf die Fresse haut, dann ist das erst einmal unangenehm – egal welches Gepäcksystem du nutzt. Der Vorteil beim Koffer ist definitiv der, dass du dein Bike nicht so weit hochheben musst wie beim Softsystem. Das war es dann aber mit Vorteilen. Der Alukoffer verbiegt sich, der Plastikkoffer bekommt Löcher (Eigenerfahrung meiner ersten Kofferreise mit Sozia nach Georgien). Koffer haben da einen weiteren Nachteil. Es ist nicht der Koffer selbst, sondern das Montagegestell. Dieses verbiegt sich gerne und im schlimmsten Fall bricht es sogar. In meinem Fall hat es sich geringfügig verbogen, das hat aber gereicht, dass der Koffer nicht mehr ins System gepasst hat.
Mein – seit 2018 im Einsatz befindliches – Softsystem hat beim letzten Rodeo alleine 7 Stürze zu verzeichnen (ja – ich auch) und ist aufgrund der abriebfesten Taschen weiterhin unbeschadet. Trotz 2 Stürzen auf Asphalt!
 
Material: Alukoffer der Premiumhersteller sind in der Regel sehr stabil und leicht.
Softluggage gibt es in vielen verschiedenen Materialien. Meist sind die teureren Systeme wasserdicht und abriebfest. Die günstigeren Modelle sind vor allem eines nicht: abriebfest. Für Afrika sollte Dichtheit nicht unbedingt ausschlaggebend sein. Man sollte allerdings bedenken: Auch Sand kommt in jede Ritze.
Nicht unerwähnt sollte noch ein großer Vorteil der Alukisten bleiben: Man kann sie im Camp optimal als Sitzgelegenheit und Tisch verwenden!
 
Renntempo
Wer es zwischendurch mal krachen lassen möchte, der ist mit dem Softsystem besser aufgehoben. Die eng anliegenden Taschen haben den großen Vorteil, dass weniger Hebelwirkung entsteht, da das Gewicht wesentlich näher am Bike ist. Richtig verzurrt lassen sie problemlos weitere Sprünge zu. Jedenfalls weiter, als es dein Fahrwerk erlaubt!
 
Zusatzausrüstung allgemein
Auf Alukoffer lassen sich sehr leicht weitere Taschen montieren. In unserem Fall soll das aber keine Rolle spielen, denn ihr sollt so wenig Gewicht wie nur möglich mitnehmen.
Das von mir beschriebene Softsystem lässt sich ebenfalls leicht und kostengünstig erweitern.
Ein großer Vorteil von Koffern: Sie lassen sich meist besser versperren als Softgepäck. Es gibt zwar auch Softsysteme mit Absperrfunktion, der Punkt geht trotzdem eindeutig an die Koffer. Allerdings: Hast du nicht viel in deinen Taschen, dann kann man auch nicht viel stehlen.
Ich habe weder ein versperrbares System noch schlaflose Nächte.
 
Es gibt noch zwei weitere erwähnenswerte Systeme: Soft Gepäcktaschen mit und solche ohne Trägersystem.
Meiner Meinung nach sind die Systeme mit Trägersystem die bessere Wahl, da sie definitiv vor dem Wadenbeinbruch schützen. Sie verbiegen sich aber nach einem Sturz leichter und sind anfällig für Löcher.

Die Satteltaschen die man einfach über den Sitz legt, sind die günstigste Variante und haben auch einige Vorteile. Sie sind leicht, man kann auf schwere und teure Trägersysteme verzichten und sie passen in der Regel auch aufs nächste Bike. Allerdings halten sie nicht so gut wenn man im rauen Gelände unterwegs ist.

Weiterführender Link: Discovering the World hat dazu einen sehr guten Blog gemacht. Ganz unten auf der Seite gibt es eine wunderbare Auflistung aller Systeme.

Für „nach dem Rodeo“
Eines unserer Ziele beim Rodeo ist es, dass euch danach das Reisefieber so gepackt hat, dass ihr nichts mehr anderes wollt. Da hat der Koffer dann den Nachteil, dass ihr im Falle eines neuen Bikes auch ein neues Trägersystem benötigt.



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