Lunch unterwegs: Tankstellenromantik in Reinform
Mittags passiert das, was in England immer passiert: Man landet an einer Tankstelle. Oder in einem „Service Area“, das aussieht wie ein Flughafen ohne Flugzeuge. Die Auswahl ist riesig – und doch falsch.
Sandwiches, die aussehen, als hätten sie seit 1998 auf diesen Moment gewartet. Weißbrot. Immer Weißbrot. Belag in homöopathischer Dosierung. Dazu ein Getränk, das entweder warm ist oder zu süß, um legal zu sein.
Und trotzdem greift man zu.
Weil draußen Regen ist.
Weil der nächste Ort 60 Meilen entfernt liegt.
Weil Hunger ein schlechter Berater ist.
Abendessen: Pub, Hoffnung, Enttäuschung
Abends dann im Pub. Holzvertäfelung. Teppichboden. Ein Schild draußen: Home cooked food. Jetzt wird alles gut, denkt man. Jetzt kommt sie, die britische Seele in Reinform auf dem Teller.
Falls gedacht. Was kommt, ist „Pie of the Day“. Niemand weiß, was drin ist. Nicht mal der Koch. Dazu Pommes, die gleichzeitig fettig und trocken sind, Erbsenpüree in einem Farbton, den man sonst nur aus Biologiebüchern kennt, und Soße. Viel Soße. Immer Soße. Sie ist das diplomatische Bindeglied dieser Küche.
Man trinkt ein Ale dazu. Oder zwei.
Ab dem dritten schmeckt plötzlich auch das Essen besser.
Ein Zufall? Wir glauben nicht.