Sicherheit beim Pothole Rodeo Marokko

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Zwischen Realität, Reisewarnungen und gesundem Menschenverstand

Was die Auswärtigen Ämter sagen – und was wir daraus machen

Wer sich mit den Reisehinweisen der Auswärtigen Ämter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beschäftigt, stellt schnell fest: Die Inhalte unterscheiden sich im Ton, nicht im Kern. Gewarnt wird vor Reisen in Grenzgebiete zu Algerien sowie davor, politische Entwicklungen aus den Augen zu verlieren. Genau daran orientieren wir uns bei der Routenplanung. Diese Regionen meiden wir bewusst. Sollte sich eine Strecke dennoch einem sensiblen Gebiet nähern, informieren wir euch an den Checkpoints und geben rechtzeitig Alternativen aus. Flexibilität gehört zum Konzept – nicht zum Risiko.

Drogen sind kein Abenteuer, sondern ein echtes Problem

Ein Punkt, den alle Auswärtigen Ämter klar benennen, ist der Umgang mit Drogen. Besonders im Rif-Gebirge wird ausdrücklich davor gewarnt, Cannabis zu kaufen. Die Mechanik dahinter ist bekannt: Kauf, kurze Zeit später eine Polizeikontrolle, sehr wenig Diskussionsspielraum. Der Besitz selbst kleinster Mengen ist in Marokko strafbar und kann mit hohen Geldstrafen sowie Haftstrafen von bis zu zehn Jahren geahndet werden. Das ist kein Mythos, kein Spielraum, kein Pothole-Mythos. Also: Finger weg.

Kriminalität, Betteln und das Thema „Hilfe“

Gewaltkriminalität gegenüber Reisenden ist selten. Was es gibt, ist aggressives Betteln, vor allem in Städten, sowie sehr präsente „Guides“, die ungefragt Hilfe anbieten. Diese Hilfe ist nie kostenlos. Wer das weiß, ist vorbereitet. Ein klares Nein, ruhiges Auftreten und kein unnötiges Diskutieren lösen die meisten Situationen. Es ist manchmal lästig, selten gefährlich – und mit Abstand der häufigste Kontaktpunkt, der fälschlich als „unsicher“ wahrgenommen wird.

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Westsahara & marokkanische Sahara – nüchtern betrachtet

Die Hinweise zur marokkanischen Sahara und Westsahara klingen in offiziellen Texten oft drastisch. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass dort keine konsularische Betreuung möglich ist und empfiehlt, die Hauptstrecken nicht zu verlassen. Ein kleiner Abschnitt dieses Gebiets liegt auf einer unserer möglichen Routen. Wichtig dabei: Dieser Streckenteil ist auf den angelegten Straßen kein abgelegenes Niemandsland. Geht es hingegen Offroad, werden die Kontakte zu anderen Menschen geringer. Bei Pannen oder Problemen kann es daher schon mal etwas dauern, bis Support vor Ort ist. Dies wird bei unserem Rodeo nicht anders sein. Ein paar Tipps bekommt ihr allerdings vorab von uns mit auf den Weg. Trotzdem gilt klar: Niemand muss diesen Abschnitt fahren. Wir haben Alternativen eingeplant. Wer sich dennoch dafür entscheidet, tut das eigenverantwortlich und sollte immer im Hinterkopf haben: Die Wüste ist kein Kinderspielplatz.

Entführungen, Schlagzeilen und die Realität

Das Thema Entführung taucht regelmäßig in Gesprächen auf. Faktisch gilt: In den letzten Jahren wurden keine Entführungen in Marokko gemeldet. Ein Gewaltverbrechen im Jahr 2018 sorgte international für Aufsehen, war jedoch ein singulärer Fall. Das Schweizer Außenministerium formuliert es klar: In Teilen der Sahara und des Sahels besteht grundsätzlich ein Risiko, in Marokko selbst waren bisher keine Entführungen zu beklagen. Österreich ergänzt nüchtern, dass in Gebieten mit Reisewarnungen konsularische Hilfe eingeschränkt sein kann und Versicherungen Leistungen verweigern dürfen. Das ist keine Panikmache, sondern ein Hinweis auf Eigenverantwortung.

Die größte Gefahr sitzt hinterm Lenkrad

Wie Burkhard Koch, vielen durch seinen Blog „Pistenkuh“ bekannt, es treffend formuliert hat: Die Risiken eines Abenteurers liegen auf der Straße. Nicht im Hinterhalt, nicht im Zelt, nicht auf dem Markt. Unachtsamkeit im Straßenverkehr ist der größte Risikofaktor. Tiere, Fußgänger, Mopeds ohne Licht, spontane Überholmanöver – wer konzentriert fährt, fährt sicher. Alles andere ist Projektion.

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Von Schlitzohren, Strategen und Gelassenheit

Marokko ist ein Land der Händler, Taktiker und Verhandler. Auf Märkten wird gefeilscht, im Teppichladen diskutiert, am Gemüsestand eher nicht. Manchmal zahlt man ein paar Cent zu viel. Das ist kein Betrug, sondern Alltag. Der Unterschied zu unserer Welt ist oft nur der Anzug. Für jede Leistung wird eine Gegenleistung erwartet – in der Stadt meist Geld, auf dem Land oft ein Tee oder eine kleine Aufmerksamkeit. Wer beim Handeln bei 40% des geforderten Preises landet, hat einen, für beide Seiten, guten Deal gemacht. Alles darüber hinaus ist Lehrgeld.

Respekt fährt weiter als Angst

Marokko verlangt keinen Mut, sondern Aufmerksamkeit. Wer vorbereitet ist, Hinweise ernst nimmt und nicht glaubt, schlauer zu sein als Land und Leute, wird das Pothole Rodeo sicher und intensiv erleben. Angst fährt hier schlecht. Respekt kommt sehr weit.



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