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PHR Germany – Biker Edition

Über Bikes, Ausrüstung und die Frage, was unterwegs wirklich trägt

Motorradfahren beim Pothole Rodeo Germany ist keine Nebenrolle. Es ist direkter, roher und oft ehrlicher als alles, was auf vier Rädern passiert. Du sitzt nicht geschützt hinter Blech, du bekommst jede Entscheidung unmittelbar zurückgespielt. Genau deshalb lohnt es sich, vor dem Start einmal kurz innezuhalten und sich zu fragen: Passt mein Bike – und passe ich zu ihm?

Das richtige Bike: Vertrauen schlägt Konzept

Beim Pothole Rodeo geht es nicht darum, das perfekte Motorrad zu besitzen. Schön, wenn es so ist, aber zwingend ist das nicht. Es geht darum, ein Motorrad zu fahren, dem du vertraust.

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Bewährt haben sich vor allem Enduros (mindestens 350er), Scrambler und ältere Adventure-Bikes á la Transalp, Tenéré, Africa Twin oder ne ältere GS  – Maschinen, die nicht in erster Linie beeindrucken wollen, was sie aufgrund ihres coolen Dakar Styles dann doch tun, sondern einfach funktionieren. Hubraum, PS oder Baujahr sind zweitrangig. Entscheidend sind Bodenfreiheit, ein gutmütiges Fahrwerk und eine Technik, die man versteht. Und im Zweifel reparieren kann.
Weniger geeignet sind reine Sportbikes, schwere Luxustourer oder hochgezüchtete Umbauten. Nicht, weil sie schlecht sind – sondern weil sie auf langen, wechselhaften Etappen mehr Energie kosten, als sie zurückgeben. Das Rodeo dauert mehrere Tage. Dein Bike sollte das können, ohne dich zu zwingen, ständig gegenan zu arbeiten. Muss es trotzdem ein Chopper sein oder die Goldwing wegen der Soundanlage. Es ist dein Rodeo.

Reifen: der eigentliche Gamechanger

Wenn es ein Bauteil gibt, das über gute oder schlechte Tage entscheidet, dann sind es die Reifen. Idealerweise bewegst du dich im Bereich 50/50 oder 60/40 – genug Grip auf Asphalt, aber Reserven auf Schotter, Betonplatten oder sandigen Abschnitten. Vollstollen braucht es nicht, bzw. könnte man in Marokko auch schnell drauf ziehen lassen, reine Straßenreifen sind allerdings oft zu wenig. Wichtig ist vor allem ein berechenbares Verhalten bei Nässe und auf schlechtem Untergrund. Einige unserer früheren Teilnehmer sind mit dem K60 Scout von Heidenau, dem Michelin Anakee Wild oder Metzlers Enduro 3 Sahara  gut über die Runden gekommen.

Schutz am Bike: sinnvoll statt maximal

Beim Pothole Rodeo Germany reden wir nicht von Hardcore-Offroad, aber sehr wohl von schlechten Straßen. Ein Motorschutz kann sinnvoll sein – vorausgesetzt, er nimmt dem Motor nicht die Luft. Handguards, die mehr können als Wind abhalten, zahlen sich genauso aus wie Sturzbügel. Alles, was du anbaust, sollte eine klare Funktion haben. Gewicht und Komplexität sind selten Freunde auf langen Tagen.

Gepäck: weniger Zeug, mehr Ruhe

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Je leichter dein Bike bleibt, desto entspannter wird die Fahrt. Softbags und Rolltaschen haben sich bewährt, weil sie nachgeben, nicht klappern und bei Umfallern weniger Schaden anrichten. Aber auch Koffer haben Vorteile. Am Ende dürfte das von deinen Präferenzen abhängen. Und vom Geldbeutel, sofern man keine solches Packsystem besitzt. Hierzu kann die Biker Whatsapp Gruppe eventuell hilfreich sein. Oft gibt es jemanden, der das ein oder andere Doppelt hat und verleiht oder abzugeben hat. Wir sprechen aus Erfahrung. Ein kleiner Tankrucksack für das Nötigste und den schnellen Zugriff ist Gold wert. Wichtig ist, dass alles fest sitzt, wasserdicht verpackt ist und unterwegs schnell zugänglich bleibt. Flatternde Gurte oder improvisierte Lösungen rächen sich spätestens am zweiten Tag.

Fahrer-Ausrüstung: fünf Tage sind ein Maßstab

Das Rodeo ist kein Wochenendausflug. Deine Kleidung muss lange Tage, wechselndes Wetter und unterschiedliche Temperaturen abkönnen. Textil- oder Adventure-Bekleidung mit guter Belüftung und zuverlässigen Nässeschutz hat sich bewährt. Beim Helm zählen Belüftung und Flexibilität mehr als Style. Und bei Handschuhen gilt: ein Paar reicht nie. Nimm mindestens zwei – luftig und wasserdicht.
Stabile Stiefel sind keine Option, sondern Voraussetzung. Deine Füße tragen dich durch das Rodeo – im Sitzen, im Stehen, beim Schieben, beim Reparieren.

Navigation, Kommunikation und Strom

Als Biker bist du schneller allein unterwegs als ein Auto. Deshalb sind Offline-Navigation, eine stabile Handyhalterung und ausreichend Strom besonders wichtig. Funk ist keine Pflicht, aber ein enormer Vorteil. Entsprechende Mesh-Systeme, z.B. von SENA können auf langen Fahrten ein Gewinn sein. Kurze Absprachen, Warnungen oder einfach Kontakt ohne Netz – all das funktioniert mit Funk zuverlässiger als mit jeder App. Und Musik oder Podcast hören kann man darüber auch.

Mentale Vorbereitung: der wichtigste Teil

 

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Am Ende entscheidet nicht dein Setup, sondern dein Kopf. Es wird Tage geben, an denen alles läuft – und solche, an denen nichts passt. Als Biker hilft es, Tempo rauszunehmen, Pausen zu machen und auch mal eine Strecke liegen zu lassen. Niemand muss alles fahren. Niemand muss etwas beweisen. 
Das Pothole Rodeo Germany für Biker ist kein Extrem-Enduro und kein gemütlicher Café-Racer-Trip. Es liegt genau dazwischen. Und genau deshalb ist es so gut.
Ein ehrliches Bike. Sinnvolle Ausrüstung. Ein klarer Kopf. Mehr braucht es nicht. Weniger schadet selten. Wir sehen uns unterwegs.


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