Und täglich grüsst das Murmeltier

backroadclubcom--article-8946-0.jpeg
Von Pascal Kesselmark – Als langjähriger Teilnehmer und als offizieller Fotograf auf ausgewählten Touren habe ich schon einige Rodeos erlebt und weiß, was mich erwartet. Da ich in den WhatsApp-Gruppen immer wieder die gleichen Fragen lese und die Teilnehmer vor dem Start oft die gleichen Fragen stellen, hier ein paar Antworten auf die häufigsten Fragen, die ein Greenhorn noch hat. Nach zwei Tagen könnt ihr sie euch alle selbst beantworten... ihr werdet ganz schnell selbst zu Rodeo-Profis!
Die meisten Antworten gelten allerdings nur für Autofahrer. Es sei denn, du hast auch Funk oder eine Kühlbox auf deinem Motorrad.

Standort, Standort, Standort

Den ersten Punkt nenne ich nicht ganz uneigennützig. Die WhatsApp-Gruppe ist vor allem unterwegs sehr nützlich. Was ich besonders schätze, ist die Möglichkeit, den Standort zu teilen. Das heißt, ich sehe, wo die anderen Teams gerade sind. Das hat mehrere Vorteile. Erstens kann ich als Teilnehmer schauen, ob ich vielleicht mit anderen Teams zusammenfahren kann. Für mich als Fotograf ist es aber noch viel wichtiger, weil ich dann sehen kann, ob mir ein Team entgegenkommt oder hinter mir ist und wenn ich rechtzeitig rauskomme, kann ich ein Foto von denen machen.
Also meine Bitte: Standort teilen. Und ganz wichtig: Pro Auto sollte das nur eine Person machen. Sonst erwarte ich drei Autos statt eines Autos mit drei Personen.
backroadclubcom--article-8948-0.jpeg

Red Five an Gold Leader antworten!

Beginnen wir mit dem Klassiker: Ist (CB-)Funk notwendig? Nein, ist es nicht, aber...

Genauso könnte man fragen, ob man einen Stuhl mitnehmen soll, damit man sich abends gemütlich hinsetzen kann. Natürlich gibt es auch Leute, die ohne Funk und Stuhl auskommen. Die machen die ganze Kommunikation über das Handy und sitzen auf dem Boden. Das geht natürlich auch. Aber die Kommunikation über Funk ist schneller und einfacher. Man darf nicht vergessen, dass z.B. Deutschland ein digitales Entwicklungsland ist und der Empfang in den Ecken, in denen wir unterwegs sind, nicht immer möglich ist. Ein anderes Beispiel: Auf der Österreich-Rundfahrt ist die schönste Strecke auf eine Alm und von dort über Schotterpisten nach Italien.

Da oben hat man null Handyempfang. Da konnten wir in den schwierigen Passagen nur über Funk kommunizieren. Oder als letztes Beispiel die Balkantour: Alle Länder außerhalb der EU haben kein Roaming. Das heißt, dass zum Beispiel in Albanien die allermeisten Teams ohne Internet unterwegs sind. Wie praktisch ist es da, Funk zu haben.
Aber wie oben schon geschrieben: Funk ist nicht notwendig, aber verdammt praktisch und vor allem macht dieser Retro-Scheiß auch noch Spaß. So, wie das Sitzen auf einem Stuhl.
Und noch was: Wenn man einen CB-Kanal abmachen will, dann Kanal 5 auf FM. Warum, einfach so, aber die Antenne ist im Prinzip besser auf die tiefen Kanäle abgestimmt und dieser Kanal ist nicht für andere Zwecke reserviert.

Warmes Bier sei gesund für den Magen, sagt man

Der andere Klassiker ist die Kühlbox. Hier kann ich nur von meinen persönlichen Erfahrungen mit lauwarmem Gerstensaft berichten. 20 Grad warmes Bier schmeckt abends nach zehn
Stunden Autofahrt einfach nicht. Ich habe es ausprobiert und in Afrika war es sogar noch wärmer, denn die billigen Kühlboxen kühlen den Inhalt maximal auf 15 °C unter der Außentemperatur. Das klingt nicht schlecht und funktioniert auch bei 20 °C. Wenn es wie in Marokko um die 50 °C hat, ist die Pfütze in der Dose immer noch leckere 35 °C warm. Wenn man ein Auto mit Klimaanlage hat, kann eine billige Kühlbox ausreichen. Meistens haben unsere Autos aber keine, oder sie geht unterwegs als erstes kaputt, und das muss man berücksichtigen. Eine Kompressorkühlbox ist teuer und das war für zwei Jahre auch nicht in meinem Budget. Da hatte ich andere Prioritäten wie Dachzelt und so. Aber heute würde ich die Kompressorkühlbox für kein Geld der Welt wieder hergeben.
Ach ja, noch etwas: Die normale Kühlbox verbraucht ständig ca. 75W. D.h. man muss schon ein paar fette Batterien im Auto haben, wenn man das Ding über Nacht laufen lassen will. Die Kompressorkühlbox braucht nur einen Bruchteil davon, wenn sie einmal runtergekühlt ist.

Die Karre soll heiss sein und nicht heiss werden

Kaum ein Team, das nicht auch einen Unterfahrschutz für Ölwanne und Getriebe baut. Im Prinzip eine gute Idee, aber leider nimmt ein solider Unterboden dem Motor die nötige Kühlung. Wir sind meist im Hochsommer unterwegs oder quälen die Karren am Limit über Pässe und Schlaglochpisten. Nicht wenige Teams müssen nach ein, zwei Tagen den kompletten Unterbodenschutz wieder abmontieren, weil sonst Motor oder Getriebe überhitzen. Das ist auch mir passiert, und zwar mit einem gekauften Zubehörteil. Auf dem Campingplatz musste ich das Auto aufbocken und den Getriebeschutz runterreißen. Zu Hause musste ich auch noch einmal über die Bücher gehen und mit dem Dremel ein paar zusätzliche Lufteinlässe machen. Es ist einfacher, wenn man es von Anfang an richtig macht. Nachdem wir ein paar Punkte zum Auto, resp. der Ausrüstung geklärt haben, jetzt zum Anlass selbst.

Keiner wird zurückgelassen

Oft werde ich bei der Registrierung - also vor dem offiziellen Start - gefragt, wie das mit den Checkpunkten funktioniert. Ganz einfach: An jedem Checkpoint erhaltet Ihr die Koordinaten des nächsten Checkpoints. Wie ihr dorthin kommt, bleibt euch überlassen. Solange ihr pünktlich dort seid, ist alles in Ordnung. Wenn ihr einen Checkpunkt verpasst, weil ihr vielleicht die ganze Nacht am Auto repariert habt, dann meldet euch im Chat und die anderen Teams schicken euch die Koordinaten. Niemand wird zurückgelassen.
Wichtig am Checkpunkt ist auch, dass Ihr Euch in die ausliegende Liste eintragt. Wenn Ihr das nicht macht, werdet Ihr vom Backoffice gesucht, denn wir wollen wissen, ob es Euch gut geht. Natürlich ist der Backroadclub nicht der ADAC, ÖAMTC oder TCS und es gehört zum Abenteuer dazu, dass ihr euch selbst helfen müsst. Aber tröstende Worte oder auch Tipps bekommt Ihr jederzeit, solange es während der Bürozeiten ist.
backroadclubcom--article-8954-0.jpeg

Das Ticket zum Abenteuer: das Roadbook


Und schließlich das legendäre Roadbook. Das wichtigste Werkzeug für das große Abenteuer. Hier immer die gleiche Frage vor dem Start. Müssen alle Stationen angefahren werden und gibt es dafür Punkte? Die Antwort ist nein und nein. Ihr wählt eure eigene Route und fahrt dorthin, wo es euch gefällt. Ihr könnt auch zum nächsten See fahren und dort den Tag verbringen. Solange Ihr pünktlich wieder am nächsten Checkpoint seid, ist alles im grünen Bereich. Ansonsten will ich nicht mehr viel dazu sagen, denn schließlich soll das Rodeo ja auch ein Abenteuer bleiben und wenn wir euch «händchenhaltend» begleiten würden, dann könntet ihr ja gleich eine Gruppenpauschalreise buchen.

Zu guter Letzt

Macht euch nicht zu viele Gedanken und lasst das Abenteuer auf euch zukommen. Vergesst die Sorgen des Alltags und genießt die Reise. Denn der Weg ist das Ziel. Wirklich!
Und vergesst nie: Weiss schlägt Gelb!


Logo

  • Sprache / Language