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Abenteuer Rallye-Blog Europe-Africa Rodeo: Gesundheit 

Tabletten, Impfungen und medizinische Versorung 

Da die meisten bei so langweiligen Blogs immer nur den ersten Teil lesen, werden wir gleich einmal auf Impfungen eingehen, danach folgen Reiseapotheke, medizinische Versorgung, andere Empfehlungen und das Thema Wasser. Zum Schluss gibt es noch zwei lehrreichen Geschichten.

Impfungen

Bis Ende 2020 gibt es für Marokko und die westliche Sahara keine Impfpflicht. Wir bleiben am Ball und hoffen, dass sich das Coronabedingt nicht ändert.
Grundsätzlich ist es empfehlenswert mit seinem Arzt Kontakt aufzunehmen und sich beraten zu lassen! Vor allem auch deswegen, weil der deine Schwächen besser kennt als wir.

Hier eine kurze Zusammenfassung:
Wir beziehen unsere Informationen einerseits vom CRM, dem „Centrum für Reisemedizin“, ein unabhängiges Fachinstitut das Informationen über Infektions- und andere relevante Gesundheitsrisiken aus aller Welt zusammenträgt und auswertet. Andererseits bedienen wir uns beim Auswärtige Amt Deutschland (AA)

Folgende Impfungen werden vom CRM für die von uns getätigte Reise empfohlen:

  • Hepatitis A
  • Cholera
  • Hepatitis B
  • Tollwut
  • Typhus
  • Meningokokken Serotypen A, C, W135, Y

Deutsche Staatsbürger sollten sich erkundigen, ob ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt. Die Österreichische macht es nicht. Über alle anderen Länder haben wir keine Kenntnis.

Alle Infos unter CRM


Centrum für Reisemedizin

Ähnlich sieht es das AA in Deutschland und empfiehlt folgende ImpfungenHepatitis A, bei Langzeitaufenthalt oder besonderer Exposition auch Hepatitis B, Typhus und Tollwut.

Tollwut muss innerhalb von 4 Wochen 3x geimpft werden (ausgenommen Auffrischung) und soweit ich weiß, dauert der gesamte Vorgang bei dieser Impfung am längsten von all denen die empfohlen sind.

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Reiseapotheke

Lt. CRM (in kursiv) wird folgendes empfohlen: Medikamente gegen Durchfall, Reisekrankheit, Fieber, Schmerzen sowie Wunddesinfektionsmittel, Insekten- und Sonnenschutzmittel, Salbe bei Insektenstichen oder anderen Hautreizungen, Fieberthermometer und Verbandmaterial.
Lt. uns selber wird folgendes zusätzlich empfohlen: Medizin gegen Seekrankheit (mehr dazu weiter unten).

Medizinische Versorgung

Dass du vorsichtig Fahren sollst, das haben wir bestimmt schon mehrmals gepredigt. Das mit der Versicherung haben wir auch besprochen. Das du beim Trinkwasser aufpassen sollst, das kommt gleich. Aber auch wenn du dich brav an alles haltest was wir dir so „vorschreiben“, heißt das noch lange nicht, dass nicht trotzdem plötzlich ein großes Loch vor dir aufgeht und du hineinfällst.

Dass die Rettung hier langsamer ist, schlechter ausgebildet und weit schlechter ausgestattet, das haben wir im Blog Sicherheit schon beschrieben.

Jedenfalls ist die medizinische Versorgung in unserem Reisegebiet (ausgenommen Casablanca und Rabat) nicht mit der gewohnten bei uns daheim zu vergleichen. Vor allem am Land ist die Infrastruktur sehr schlecht. Wo bei uns ein Krankenhaus steht, gibt es hier - wenn überhaupt - nur eine Ambulanz.
Die wichtigsten Telefonnummern werden in deinem Roadbook stehen

Empfehlungen

Persönliche Empfehlungen 1: Auf jeden Fall Kohletabletten mitnehmen – der vermutlich bewährteste Wirkstoff zur Behandlung gegen Durchfall und Vergiftung. Und denkt dabei an die Toilettenfibel und was passiert, wenn es euch mal durchräumt!

Persönliche Empfehlungen 2: Wenn dir auf der Fähre plötzlich schlecht wird und du dich Richtung Reling aufmachst, dann hast du vermutlich eine Seekrankheit. Wenn du es rechtzeitig schaffst – toll. Aber für Medizin ist es dann zu spät! Die hilft nämlich nur, wenn man sie lange vorher einnimmt (Informationen bekommst du bei der Apotheke deines Vertrauens).

Wenn dein Gleichgewichtssinn andere Signale schickt als es zum optischen Eindruck passt, dann wird dir erst einmal „unwohl“. Dann kommen die Stresshormone. Histamin. Dagegen hilft dann Antihistamin und das wird in Form von Kaugummi oder Tabletten verabreicht. Das schöne: Wenn du dir so etwas gibst, dann wirst du sowieso gut schlafen!
Frauen – ACHTUNG: Erkundigt euch was beide Medikamente für Auswirkung auf die Wirkung der Antibabypille hat (falls ihr sie nehmt)!
Ratschlag wenn ihr Medikamente vermeiden wollt: Siehst du den Horizont, so fixiere ihn. Das geht aber logischerweise nur wenn du a.) dich im Freien befindest oder du b.) dir eine luxuriöse Kabine mit Blick ins Freie gecheckt hast – allerdings hilft der ganze Luxus nichts, wenn es Nacht ist. Wenn du dir jetzt denkst „Schlaumeierei“ dann hast du Recht. Aber wenn du Italien – Marokko – Italien mit der Gruppe fährst, dann wirst du beide Male in der Nacht starten.

Was auch hilft: Flach hinlegen und Schlafen!
Was fix nicht hilft: So lange Bier trinken, bis die Übelkeit weg ist.

Wasser

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Tipps rund ums Wasser: Trink kein Leitungswasser! Du kannst Wasser natürlich abkochen, durch einen Aktivkohlefilter durchlassen (den gibt es im gut sortierten Camping-Fachhandel in Form einer Handpumpe) oder Chemisch reinigen (in Form von Tabletten die du ins Wasser gibst).
Wir schlagen dir deshalb diese Alternativen vor, weil die Plastikflaschen ein wirkliches Übel in Afrika sind. Übrigens haben Europäer den Afrikanern dieses Unheil gebracht und haben dabei vergessen, dass es dort kein Müllsystem wie bei uns gibt. Nur so als kleiner Denkanstoß, wenn euch der Plastikmüll da oder dort übel aufstößt.
Übrigens gibt es im Königreich auch ein schönes Verbot: Plastiktüten (österreichisch „Sackerl“) Verbot!

Zum Abschluss noch ein Ratschlag: Es wird teilweise wirklich sehr heiß werden – schaut dass ihr immer genug Wasser dabei habt.

Für Motorradfahrer: Ein Camelbak ist von großem Vorteil und ich empfehle mindestens 2 Liter. Auch wenn das nicht reicht für einen ganzen Tag (Reserveflaschen sollten mitgeführt werden) und vermutlich nicht lange kühl bleibt, so ist ständige und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme enorm wichtig und durch den Schlauch auch immer sofort verfügbar.
Camelbak: Es muss kein superteures Stück sein (Quickcheck – für €25 gerade auf 24mx.at gesehen). Ein paar Dinge solltest du bedenken.
Fassungsvermögen: 2 Liter sollten es schon sein.
Trägersystem: Zumindest einen Bauchgurt – und eventuell auch einen Brustgurt - sollte der Rucksack haben, dann schlenkert er nicht umher, wenn du einmal mehr zu arbeiten hast auf deinem Bike.
Das Mundstück sollte über einen Ventilverschluss verfügen (durch zusammenbeißen öffnet sich das Ventil).
Isolierung ist nicht schlecht, aber nicht unbedingt notwendig. Es gibt Systeme die einen isolierten Schlauch haben, dann brennt der erste Schluck in der Wüste nicht so wie schlechter Schnaps.
Überlege gut ob du ein isotonisches Getränk einfüllst. Das heißt dann nämlich, dass du dein Camelpak auch immer wieder reinigen musst.

Eigenerfahrung: Einmal Vodka im Camelbak, immer (den Geschmack von) Vodka im Camelbak!

Für Autofahrer: So eine Kühltasche wirkt Wunder. Die guten Kompressorkühlboxen kosten richtiges Geld, aber dafür kannst du damit Eiswürfel machen. Und hey - stell dir denn Sonnuntergang mit einem Gin Tonic vor, während der Biker neben dir warmes Wasser schlürft. Aber auch die billigen Kühltaschen von Aldi und Co. reichen aus, um das vorgekühlte Wasser auf Temperatur zu halten. Meistens.

Noch ein ganz schlauer Vergleich und wichtig wenn wir durch das Wüstengebiet fahren: Mit Wasser überlebst du länger, mit Treibstoff kommst du weiter.

Persönlich Erfahrungen

Das große Loch
Die Wahrscheinlichkeit in dieses große Loch zu fallen, potenziert sich vor allem durch zwei Umstände: Du bist zu schnell. Du bist unkonzentriert. Ich weiß nicht welche Gefahr die größere ist.

Mauretanien. 60km Schotter. Gas am Anschlag, Wasser fast leer. Ramadan. Alleine unterwegs. Eigentlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.
Durch die Herde Wildschweine (!) bin ich quer und mit blockierendem Hinterrad mitten durchgerutscht. Puls stieg kurz mal in den ungesunden Bereich. Der richtige Zeitpunkt für eine kurze Pause. Bei 40 Grad. Ich habe mich auf einen kräftigen Schluck Tee ohne Teebeutel vorbereitet. So war es dann auch. Ein (1) Schluck. Aber egal, denn in 5km kommt ein Dorf.
Das Dorf sah dann aber ganz anders aus als beim letzten Mal. Kein Kiosk hatte offen und niemand weit und breit. Hier wird das mit dem Ramadan also noch richtig ernst genommen.
Aber erst mal schlechter Asphalt. Elendslange Geraden. Müdigkeit. Unkonzentriert. Und plötzlich war es da. Das große Loch. Ordentlich in die Eisen, dann Bremse lösen und hinein ins Loch, mittels Gas das Vorderrad entlasten und wieder raus. Irgendwo zwischen „hinein ins Loch“ und „Vorderrad entlasten“ muss sich ein Fehler eingeschlichen haben. Plötzlicher Sternenhimmel und Sand im Mund. Glück im Unglück. Das Loch war sehr groß und gefüllt mit weichem Wüstensand.

Das mit der Konzentration wird definitiv unterschätzt! 

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Beim Versuch Wasser zu fassen, eine Stunde vor dem grossen Loch

Impfung
Ich habe mich natürlich zu spät um die Tollwutimpfung gekümmert und so musste ich ohne 3. Impfung los. Als ich mich dann ein paar Wochen später mit meiner Freundin in Dakar getroffen habe (she did it here way – mit dem Flugzeug), hat sie den Impfstoff ins Land geschmuggelt.
Da wir die Stadt auf schnellsten Weg verlassen haben und mir die Ärzte eine Selbstinjektion strengstens verboten haben, mussten wir ein Krankenhaus aufsuchen. Logisch war kein Sanatorium am Weg. Auch Arzt haben wir keinen ausfindig machen können. Irgendwann stand dann plötzlich eine Ambulanz im Weg. Allerdings war die Ausstattung dort mehr als dürftig. In kurzen Worten: Es waren 2 Räume in denen insgesamt ein Schreibtisch und ein Bett standen. 
Zum Glück war dort ein französischer Arzt anwesend der „OK-Englisch“ gesprochen hat. Ich hab ihm die Spritze und meinen Impfpass gezeigt. Er hat mich mit großen Augen angeschaut und nur „big problem“ gemurmelt. Ich dachte mir schon, so groß kann das nicht sein. Aber da hat es sich aufgeklärt, nämlich mit der Frage „was“ und „wo“. Auch wenn wir 3 Anläufe gebraucht haben, so haben wir dann doch rausgefunden, dass er der Meinung war, dass mich ein Affe gebissen hat und die Impfung nun aber zu spät sei!
Ich weiß bis heute nicht was „Tollwutauffrischungsimpfung“ auf Englisch heisst. Vermutlich er auch nicht. Aber gemeinsam mit seiner Assistentin haben wir das dann geschafft. Danach mussten wir noch zum Zahlen: 5 Cent hat das Service gekostet und war auch körperlich weniger Schmerzhaft als zu Hause.

Trotzdem: Macht es besser als ich und geht früh genug zum Arzt, dann habt ihr weniger Stress.

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